Chimpy Research-Serie | Niederlande, 2026
Anfang dieses Jahres haben wir uns folgende Fragen gestellt: „Wer sind die Kund:innen, die wir täglich bedienen? Wie bewegen sie sich fort? Wie schmerzhaft ist ein leerer Akku für sie wirklich?“ Deshalb haben wir eine Recherche-Serie gestartet, die auf diesen Fragen basiert, um herauszufinden, wie sich die europäische Gen Z tatsächlich verhält. Als erstes Land haben wir die Niederlande untersucht. Wir haben Interviews mit 11 Gen-ZKonsument:innen geführt und eine quantitative Umfrage mit fast 400 Teilnehmenden in Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, Eindhoven und darüber hinaus durchgeführt.
Dabei entstand ein detailliertes, teils überraschendes Bild einer Generation, die mobiler, abhängiger von ihren Handys und offener für neue Services ist, als viele Händler:innen annehmen.
Ein zentrales Thema zog sich durch die gesamte Recherche:
Für die niederländische Gen Z ist das Handy mehr als nur ein Gerät. Es ist Infrastruktur.
Vielleicht ist das nicht atemberaubend, aber allein diese Erkenntnis schwarz auf weiß zu sehen, hilft, viele der beobachteten Verhaltensweisen zu erklären: von der Art, wie sie sich durch Städte bewegen, bis hin zu der Frage, warum ein niedriger Akkustand stressig sein kann.
Das Handy ist Infrastruktur.
Bevor wir zu den Powerbanks kommen, hilft es zu verstehen, was das Handy für die niederländische Gen Z wirklich bedeutet.
Es ist nicht in erster Linie ein Unterhaltungsgerät. Es ist das Mittel, mit dem sie sich in der Stadt orientieren, bezahlen, Zugtickets kaufen, sich mit Freund:innen abstimmen und in Verbindung bleiben, wenn sie unterwegs sind. Immer mehr der Systeme, die den Alltag am Laufen halten, befinden sich in einem einzigen Gerät.
Das wurde in unseren qualitativen Interviews besonders deutlich. Zwei Befragte brachten es auf den Punkt:
„In Marokko hatte ich mein Handy nicht dabei und konnte nichts nachschauen. Man war so abhängig von altmodischen Methoden.“ — Menno, 25
„Wenn ich mein Zuhause ohne Handy verlasse, fühlt es sich immer noch an, als würde mir mein Sicherheitsnetz fehlen.“ – Oana, 26
Dieser Begriff, das Sicherheitsnetz, erwies sich als eines der wichtigsten Themen der Studie.
Wenn der Akku leer ist, ist das nicht nur ein totes Handy. Es bedeutet den Verlust des Zugangs zu Navigation, Kommunikation, Zahlungen, Fahrscheinen und den sozialen Koordinationstools, die den Alltag am Laufen halten. Das hilft, eines der klarsten Ergebnisse der Studie zu erklären: Akku-Angst ist weit verbreiteter, als viele Händler:innen annehmen.
Akku-Angst ist real, situativ und geschlechtsspezifisch
58 % der niederländischen Gen Z beginnen sich Sorgen zu machen, bevor der Akkustand unter 20 % fällt. 46 % sagen, dass ein niedriger Akkustand unterwegs ein echtes Ärgernis oder größeres Problem darstellt.

Besonders interessant ist, dass diese Angst nicht konstant ist. Die meisten Befragten managen ihren Akkustand im Alltag ohne große Sorge. Das Problem tritt in bestimmten Momenten auf: bei Nächten unterwegs, Festivals, Reisen, in unbekannten Umgebungen oder einfach, wenn Pläne länger dauern als erwartet.
Doch Akku-Angst wird nicht von allen gleich erlebt. Als wir die Daten nach Geschlecht aufgeschlüsselt haben, zeigte sich ein deutlich schärferes Muster.
59 % der Frauen gaben an, sich unsicher oder ängstlich zu fühlen, wenn ihr Akku leer war, verglichen mit 32 % der Männer.
Frauen beginnen zudem tendenziell schon bei höherem Akkustand, sich Sorgen zu machen, und beschreiben einen niedrigen Akkustand eher als ernsthaftes Sicherheitsproblem.
„Wenn mein Handy ausgeht und ich an diesen obdachlosen Menschen vorbeigehen muss, habe ich wirklich Angst — ich könnte niemanden anrufen, oder sie hätten meinen Standort nicht mehr.“ — Josephine, 22
Für viele Frauen ist das Handy mehr als nur ein Kommunikationsmittel. Es ermöglicht Standort-Sharing, Navigation, Notfallkontakte und die Möglichkeit, im Bedarfsfall Hilfe zu rufen. Ein leerer Akku bedeutet den Verlust dieser Ebenen von Sicherheit und Kontrolle.
Bei Männern ist die emotionale Belastung in der Regel geringer. Die Sichtweise ist eher praktisch: der Verlust von Navigation, Zahlungen und Koordination.
Das Problem ist bei beiden Gruppen dasselbe, doch die Bedeutung, die ihm zugeschrieben wird, ist oft sehr unterschiedlich.
Wenn ein niedriger Akkustand ein so bedeutendes Problem ist, stellt sich die naheliegende Frage:
Warum lösen bestehende Lösungen das Problem nicht?
Das Powerbank-Paradox
Die Antwort erwies sich als überraschend einfach: 83 % der niederländischen Gen Z besitzen eine Powerbank.
Auf den ersten Blick könnte das nahelegen, dass das Problem bereits gelöst ist. Doch die Realität ist komplizierter.
28 % bringen ihre Powerbank selten oder nie mit.
Die Gründe sind bekannt:

Die Recherche zeigte einen wichtigen Unterschied zwischen Besitz und Verfügbarkeit. Die Lösung existiert bereits. Sie ist nur nicht immer verfügbar, wenn sie gebraucht wird.
Interessanterweise verringert der Besitz einer Powerbank das Interesse an Leihservices nicht wesentlich. Befragte, die bereits eine besitzen, würden eine Leihoption fast genauso häufig benutzen, wie diejenigen, die keine besitzen. Das deutet darauf hin, dass Besitz und Leihen unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. Das eine ist eine geplante Lösung, das andere löst ein unerwartetes Problem, wenn sich Pläne ändern.
Der Bedarf entsteht im Moment
Das erzeugt ein interessantes Paradox. Die meisten der niederländischen Gen Z besitzen bereits eine Lösung für das Problem. Trotzdem blieb das Interesse an Leihservices bemerkenswert hoch, als wir danach fragten.
55 % der niederländischen Gen Z geben an, dass sie einen PowerbankLeihservice nutzen würden, wenn er in ihrer Nähe verfügbar wäre.
Um diese Zahl einzuordnen: 48 % der Befragten gaben an, Red Bull in Convenience Shops zu kaufen, während 40 % Coca-Cola kauften.
Auch wenn geäußerte Absicht und tatsächliches Kaufverhalten nicht direkt vergleichbar sind, deutet die hohe Offenheit darauf hin, dass das Leihen von Powerbanks alles andere als ein Nischenkonzept ist.
Nur 4 % der Befragten sagen, dass sie einen solchen Service definitiv nicht nutzen würden.
Am wichtigsten ist jedoch die Art der Nachfrage.
Die Gen Z plant selten, eine Powerbank zu leihen. Der Bedarf entsteht plötzlich.
Eine Nacht unterwegs dauert länger als erwartet. Ein Zug hat Verspätung. Ein Festival geht noch Stunden weiter. Der Akkustand fällt in den einstelligen Bereich.
Der häufigste Auslöser, genannt von 39 % der Befragten, war denkbar einfach:
„Letzter Ausweg. Keine andere Option.“
Das erklärt, warum Sichtbarkeit und Erreichbarkeit so wichtig sind. Es handelt sich selten um geplante Käufe. Es sind Entscheidungen, die im Moment akuten Bedarfs getroffen werden.
Das wirft die nächste Frage auf: Wenn der Bedarf existiert, wo erwarten junge Konsument:innen, eine Lösung zu finden?
Wo sie nach Lösungen suchen
Als wir die Befragten fragten, wo sie am liebsten eine Leih-Powerbank abholen würden, stach ein Händler durchgehend heraus.
Albert Heijn To Go.
Er erwies sich als bevorzugter Convenience Shop, bevorzugter Abholort für Leihgeräte und beliebtestes Kaffee-Ziel.
Interessant an diesem Ergebnis ist nicht nur, welcher Händler an erster Stelle steht. Es zeigt vielmehr, was das Ergebnis allgemein über das Verhalten der Gen Z verrät.
Die Händler, die am besten abschneiden, sind oft die, die bereits fest in bestehende Routinen eingebunden sind — Pendeln, Reisen, ein Kaffee to go oder ein kurzer Zwischenstopp zwischen Aktivitäten.
Für viele junge Konsument:innen scheint Loyalität ein Nebenprodukt von Convenience zu sein. Die Händler, die sie am häufigsten besuchen, sind oft diejenigen, die bereits fest in ihren Alltag eingebunden sind.
Zwei Arten von Kund:innen betreten deinen Shop
Nicht alle Gen-Z-Konsument:innen erleben diese Momente gleich häufig.
Als wir uns die Verhaltensmuster genauer angeschaut haben, kristallisierten sich zwei unterschiedliche Kund:innengruppen heraus.
Unsere Analyse identifizierte zwei unterschiedliche Gen-ZKund:innensegmente.
Die erste ist die Engaged Daily User-Gruppe. Diese Person verbringt viel Zeit in der Stadt unterwegs, ist mehrmals pro Woche draußen, besucht häufig Convenience Shops und hat aufgrund der höheren Ausgehfrequenz öfter mit Akkuproblemen zu kämpfen.
Die zweite ist die Casual Visitor-Gruppe. Sie erlebt dieselben Herausforderungen, allerdings seltener. Ihr Kontakt mit dem Problem wird eher durch bestimmte Anlässe wie Festivals, Reisen oder Nächte unterwegs ausgelöst.
Interessanterweise liegt der Unterschied zwischen diesen Gruppen nicht in der Akku-Angst selbst. Beide beginnen bei ähnlichem Akkustand, sich Sorgen zu machen.
Der Unterschied liegt in der Exposition. Eine Gruppe ist dem Problem einfach näher als die andere
Das Ausgeh-Profil ist der wertvollste Moment
Bei den 17–25-Jährigen fiel ein Verhaltensmuster besonders deutlich auf.
Beim Kauf von Alkohol in Convenience Shops kaufte diese Gruppe auch Handyzubehör — fast fünfmal so häufig wie ältere Befragte.
Mit anderen Worten: Sie geben bereits Geld aus, um Akkuprobleme zu lösen, während sie unterwegs sind.
Das deutet darauf hin, dass ein geladenes Handy während einer Nacht unterwegs kein passives Anliegen ist. Es ist aktives Verhalten. Das Handy bleibt den ganzen Abend über zentral für Koordination, Kommunikation, Zahlungen, Transport und soziale Pläne.
Je mobiler die Situation, desto wichtiger wird diese Verbindung.
Was das bedeutet
Über alle Ergebnisse der Studie hinweg lautet die Botschaft: Das Handy ist zur Infrastruktur geworden.
Die niederländische Gen Z ist mobil, vernetzt und zunehmend von einem einzigen Gerät abhängig für viele Funktionen, die den Alltag am Laufen halten.
Das wichtigste Ergebnis dieser Recherche ist nicht, dass junge Menschen viel Zeit an ihrem Handy verbringen. Das wussten wir bereits. Die interessantere Erkenntnis ist, dass das Smartphone zur Infrastruktur geworden ist.
Und wenn Infrastruktur ausfällt, suchen Menschen nach Lösungen — weil sie sie in diesem Moment brauchen.
Für Händler:innen liegt die Chance weniger darin, Nachfrage zu schaffen, sondern vielmehr darin, zu verstehen, wo diese Momente entstehen. Denn die Marken und Services, die Teil der Routine der Gen Z werden, sind oft die, die bereits da sind, wenn sie gebraucht werden.
Dieser Artikel basiert auf Chimpys Recherche in den Niederlanden, durchgeführt Anfang 2026: qualitative Interviews (n=11) und eine quantitative Online-Umfrage (n=392) mit Gen-Z-Konsument:innen im Alter von 17–30 Jahren in niederländischen Städten.







